Hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion (HIPEC)

Kommt es im Verlauf einer Tumorerkrankung zu Metastasen im Bauchraum – besonders bei einem Befall des Bauchfells (Peritonalkarzinose) –, kann in bestimmten Fällen die hypertherme intraperitoneale Chemoperfusion, kurz HIPEC, als Therapie eingesetzt werden.

Bisher gibt es kein Standardtherapieverfahren zur Behandlung der Peritonealkarzinose. Mit dem Fortschreiten der Erkrankung und dem Befall des Bauchfells hat die Erkrankung ein Stadium erreicht, bei dem in der Vergangenheit meist nur unterstützende medizinische Verfahren oder eine Bestrahlung des gesamten Bauchraums angewandt wurden. Aufgrund der Strahlenempfindlichkeit speziell des Dünndarms ist bei der Bestrahlung mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen. Eine systemische Chemotherapie, zum Beispiel in Form von Infusionen, hilft bei diesem Krankheitsbild nur schwach, der Tumor spricht nur selten darauf an.

Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse hat sich daher an spezialisierten chirurgischen Zentren, wie dem unseren, in den letzten Jahren die HIPEC als kombinierte chirurgisch/medikamentöse Therapie zur Behandlung dieser Erkrankung etabliert.

Bisher konnte in wissenschaftliche Studien die Effizienz dieses Therapieverfahrens neben der Peritonalkarzinose für folgende Tumoren dokumentiert werden:

  • Appendixkarzinom
  • Pseudomyxoma peritonei
  • Peritoneales Mesotheliom
  • Colorektales Karzinom
  • Magenkarzinom
  • Primäres Adenokarzinom des Peritoneums

Bei der HIPEC wird eine Spüllösung mit einem Chemotherapeutikum (Zytostatikum) in den Bauchraum eingeleitet und bei ca. 42°C für 60 bis 90 Minuten mit Hilfe einer Herz-Lungen-Maschine lokal im Bauchraum verteilt und anschließend entfernt.

Der Vorteil dieser Behandlung gegenüber einer Gabe von Chemotherapeutika im kompletten Körper liegt in der „vor Ort“-Gabe des Wirkstoffes. Der restliche Körper wird nicht belastet. Dies ermöglicht eine wesentlich höhere Gabe der verwendeten Substanz als bei einer systemischen Therapie (im ganzen Körper). Der im Zielgewebe, dem Tumor, erreichte Wirkstoffspiegel ist dadurch wesentlich höher, gleichzeitig können die Nebenwirkungen reduziert werden. Die hypertherme (überwarme) Tumorbehandlung hat zusätzlich den Vorteil, dass Tumorzellen generell sehr empfindlich auf Hitze reagieren. Zusammen mit dem speziell bei der Behandlung der Peritonealkarzinose verwendeten Mitomycin C ist in Studien eine Steigerung der Wirkung durch die Kombination mit Wärme nachgewiesen.

Neben der beschriebenen HIPEC entfernen wir chirurgisch während des gleichen Eingriffs den Haupttumor sowie den befallenen Peritonealabschnitt möglichst vollständig. Dieses Verfahren nennt man zytoreduktive Chirurgie.

Da es sich bei einer Peritonealkarzinose um ein in der Regel weit fortgeschrittenes Tumorstadium handelt, kann unabhängig von der gewählten Therapie in den seltensten Fällen eine Heilung erzielt werden. Mit Hilfe der zytoreduktiven Chirurgie plus HIPEC kann bei einigen Patient:innen jedoch eine deutliche Besserung der durch den Tumor entstandenen Komplikationen erzielt werden. In Studien konnte zudem eine deutliche Verlängerung des Überlebens durch dieses Verfahren erreicht werden. Die Therapie ist vielmehr als eine weitere Alternative gegenüber der bisher häufig angewandten alleinigen Chemotherapie zu verstehen.

Lediglich bei Patient:innen mit einem geringen Befall des Bauchfells ist dieses Verfahren durchaus auch unter einem heilenden Gesichtspunkt zu betrachten.

Einzelne Patient:innen mit Eierstocktumoren und speziellen Tumoren des Dünn- und Dickdarms leben nach dieser Therapie jedoch bereits länger als fünf Jahre, so dass eine Heilung in speziellen Fällen angenommen werden kann.

Leider ist nicht jede:r Patient:in mit einer Peritonealkarzinose für eine Therapie mittels HIPEC geeignet. Bei einem zu starken Befall beziehungsweise bei manchen Tumorlokalisationen bringt diese Therapie den Betroffenen keinen Vorteil verglichen mit den Risiken und Nebenwirkungen.

Die Kontraindikationen lassen sich in absolute und relative unterscheiden. Bei einer absoluten Kontraindikation wird der Eingriff in keinem Fall durchgeführt. Hierzu gehören z. B. ein stark fortgeschrittenes Tumorstadium mit Metastasen außerhalb des Bauchraums, ein zu starker Befall lebenswichtiger Organe wie z. B. das Einwachsen in die Bauchschlagader oder stark ausgeprägte Vorerkrankungen des Herzkreislaufsystems mit einem stark abgeschwächten Allgemeinzustandes.

Unter einer relativen Kontraindikation versteht man den Zustand, bei dem von Fall zu Fall entschieden werden sollte, ob die Operation den gewünschten Effekt erbringen kann. Hierzu gehören zum Beispiel eine große Menge an Bauchwasser, das durch das Tumorleiden entstanden ist, oder ein durch den Tumor bedingter Darmverschluss.

Eine Sonderstellung bei den Kontraindikationen nimmt der Metastasenbefall der Leber ein. Per Definition sind sie Fernmetastasen und damit eine Kontraindikation. Können diese Metastasen chirurgisch problemlos entfernt werden, kann eine zytoreduktive Therapie plus HIPEC dennoch durchgeführt werden. Ist die Leber allerdings zu stark befallen, sollte von dieser Therapie abgesehen werden.

Da es sich bei diesem Eingriff um ein kompliziertes, chirurgisches Vorgehen handelt, sollte vor der Operation ein ausführliches Aufklärungsgespräch zwischen dem/der Operierenden und dem/der Patient:in erfolgen. Neben den im Rahmen einer Operation immer möglichen Komplikationen wie zum Beispiel Auftreten einer Blutung, Verletzung von Nerven, Wundheilungsstörungen oder aufgrund der Immobilisation das Ausbilden einer Thrombose oder Embolie sollten in diesem Gespräch auch die speziellen Komplikationen erwähnt werden.

HIPEC-Sprechstunde
Dr. med. Florian Wenger
Donnerstag 12.00 Uhr - 16:00 Uhr
nach Vereinbarung über das Patientenmanagement
Telefon: 069 3106-2437
E-Mail: Patientenmanagement@KlinikumFrankfurt.de