Kleiner Pieks, große Wirkung: Akupunkturpflaster mit einer feinen Spitze auf der Innenseite schützen in der Anästhesie vor Übelkeit.

Akupunkturpflaster in der Anästhesie schützen vor Übelkeit nach der OP

erschienen am 08.07.2021 | Verbund

Viele Patienten leiden nach einer gut verlaufenen Operation unter starker Übelkeit und Erbrechen. Um die Wahrscheinlichkeit des sogenannten PONV (postoperative nausea and vomiting) zu senken, setzen die Anästhesisten in den Kliniken Frankfurt-Main-Taunus neben modernen Anästhesieverfahren, gut verträglichen Narkosemitteln und prophylaktischen Medikamenten jetzt auch auf die Erfahrungen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM).

„Wir verwenden vor Einleitung der Narkose auf Wunsch unserer Patientinnen und Patienten spezielle Akupunkturpflaster, die auf der Innenseite eine feine Spitze haben. Diese drückt sanft in die Haut und stimuliert damit den Akupunkturpunkt Pe6, der auf dem Median Kreislauf zwischen zwei Sehnensträngen am Unterarm liegt. Eine beidseitige Akupunktur verspricht gut Ergebnisse“, erläutern die Chefärzte der Anästhesie der Kliniken in Frankfurt Höchst, Bad Soden und Hofheim Prof. Dr. med. Daniel Chappell sowie Prof. Dr. med. Michael Booke. Besonders Frauen profitieren von dem neuen Angebot. Denn Untersuchungen zufolge leiden sie vier bis fünfmal häufiger unter Übelkeit und Erbrechen nach der Vollnarkose als Männer. Das Verfahren gilt als effektiv und sehr sicher. Die Behandlung ist praktisch schmerz- und nebenwirkungsfrei. Ein „Kribbelgefühl“ ist normal und Teil der erwünschten Wirkung. Wissenschaftlich ist die Wirksamkeit der angewendeten Akupunktur zur Reduktion von Übelkeit in über 40 Studien bereits gut belegt.

So wirken die Akupunkturpflaster
Erbrechen ist ein natürlicher Schutzmechanismus des Körpers. Ein Reflex des Erbrechens kann durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden, die das im Hirnstamm befindliche sogenannte Brechzentrum aktivieren. Auf das Narkosemittel reagiert der Körper ganz ähnlich. Durch die Anwendung der Akupunkturpflaster und die darin befindlichen kleinen Nadeln im Handgelenk werden über Nervenbahnen direkte Signale zum Hirnstamm und zum Brechzentrum gesendet. Hier beruhigen sie das durch Narkose- und Schmerzmittel irritierte Brechzentrum. Die Nadeln mildern aber nicht nur die Übelkeit: Sie dämpfen auch ein wenig die Schmerzempfindlichkeit, wodurch die Patienten bei der OP manchmal weniger Narkosemittel brauchen. Die Akupunkturpflaster verbleiben über die gesamte Dauer der Operation auf der Haut und werden am Ende der Aufwachraumphase entfernt.

Die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus
Die Kliniken Frankfurt-Main-Taunus betreiben als Verbund und gemeinnützige Gesellschaft die kommunalen Kliniken an den Standorten Bad Soden, Hofheim und Frankfurt-Höchst. Mit insgesamt rund 1500 Betten und 3800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sind sie der größte kommunale Klinikverbund in der Region. Mit der standortübergreifenden, interdisziplinären Zusammenarbeit und der Bündelung medizinischer Kompetenzen bietet der Zusammenschluss etwa in der Behandlung onkologischer Erkrankungen, der Therapie bei Schlaganfall, aber auch im Rahmen der Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen ein herausragendes Leistungsspektrum.